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Müllverbrennungsanlage
in Rüdersdorf wird gebaut
Die
Gemeinde Rüdersdorf und der Energieversorger
Vattenfall
haben sich geeinigt. Der geschlossene Vergleich sieht vor,
daß
die Gemeinde Rüdersdorf ihre Klage zurück zieht; im
Gegenzug
soll der Schadstoffausstoß der
Müllverbrennungsanlage um durchschnittlich 45 %
gesenkt
werden.
Ein
dubioser Vergleich, den man auch vor jedem deutschen Gericht erreicht
hätte, doch sei der Gemeinde Rüdersdorf mit
anähernd
12.000 Einwohnern das Prozeßkostenrisiko zu hoch gewesen.
Es
zeigt sich, dass es im Osten nach wie vor für
größere
Konzerne sehr lukrativ ist zu investieren, denn schon nach
kurzer
Zeit ist das Ziel dank unerfahrener Verwaltungsbeamter erreicht. Ein
mit professioneller Unterstützung erreichbares Ziel
wäre es
sicher gewesen, für die Bürger auf Kosten von
Vattenvall ein
beheiztes Hallenbad zu bauen. Dies ist nicht unrealistisch, denn das
Investionsvolumen für die Müllverbrennungsanlage
beträgt
mehr als 100 Mio Euro. Die Energie für dieses
Hallenbad
hätte es zudem kostenlos gegeben, denn mehr als 60 % der
abfallenden Energie sollen mangels Abnehmer in die Luft geblasen
werden. (7.10.06)
Müllverbrennungsanlage
VATTENFALL bei Hennickendorf
Statement des „Umweltkreises Stienitzsee“ (UKS) zum
geplanten Bau des Industriekraftwerkes (Stand 02.05.06)
Wir als Bürgerinitiative – und damit auch
Sprachrohr vieler Bewohner aus Hennickendorf, Herzfelde, Rüdersdorf,
Petershagen/ Eggersdorf, Fredersdorf/Vogelsdorf, Buckow, Schöneiche, Rehfelde,
Strausberg, Lichtenow ... – sind sehr besorgt um die Qualität unserer direkten
Umwelt - aus sehr aktuellem Anlass!
Deshalb stehen für uns die nachfolgenden
Leitgedanken im Vordergrund:
1. Die ursächlich in den Vordergrund gerückte
Produktion von preiswertem
Strom ist nicht zwingend in Hennickendorf erforderlich. Man kann ihn überall
produzieren und aus dem Verbundnetz entnehmen, Transportverluste sind als eher
gering einzustufen.
In Hennickendorf ist noch dazu keine sinnvolle Nutzung der Abwärme möglich! Das
ist eine gewaltige Energieverschwendung und bringt eine zusätzliche Erwärmung
unserer Atmosphäre mit sich!
· Allein der Ausstoß an CO2 durch das
bisherige Rüdersdorfer Zementwerk in 2004 betrug 1.608.000.000 kg*!
der Ausstoß von NO2 betrug in 2004 1.786.600
kg*! Das waren 402.800 kg mehr als noch im Jahr 2000!
· Die Emission von Zementstaub betrug
2004 5.285 kg*! Hier wurden 346 kg mehr als noch im Jahr 2000 in
die Luft geblasen!
(*Quelle:
Emissionserklärung des Zementwerkes)
2. Bis zur Wende waren Rüdersdorf und seine
Ortsteile die Region mit der deutschlandweit am höchsten belasteten Luft! Ganz
langsam konnte das verbessert werden. Jetzt geht es wieder andersherum???
3. Das Zementwerk Rüdersdorf verbrennt laut
uns vorliegenden Unterlagen jetzt schon (!)die mit Abstand größte Menge an Müll
als Zementwerk in Deutschland*! Fast das Doppelte der Verbrennungsmenge des
zweitstärksten Müllverbrenners unter den Zementwerken wird allein in Rüdersdorf
verbrannt!
(*Quelle: Bericht der LAGA zur 63. Umweltministerkonferenz;
Umsetzung der Abfallablagerungsverordnung – 3. Fortschreibung)
4. Das Zementwerk Rüdersdorf begründet den
geplanten Bau der Müllverbrennungsanlage (verbal getarnt als
„Industriekraftwerk zur Stromerzeugung“) mit angeblichen gegenwärtigen
Wettbewerbsnachteilen...
Verglichen mit den Bedingungen der anderen Zementwerke in Deutschland kann dies
so jedoch nicht stimmen. Denn diese anderen Zementwerke verbrennen weit weniger
Müll, zahlen jedoch auch noch die in westlichen Regionen üblichen Gehälter...
Wettbewerbsnachteil für das Zementwerk Rüdersdorf???
5. Die Emissionsgrenzen für Lärm sind im Gebiet um das
Zementwerk bereits voll ausgeschöpft*. Für die Anwohner rund um die B1/B5 ist
diese Belastungsgrenze nicht selten eine
Belastungsprobe!
Der geplante Neubau würde diese ohnehin schon gespannte Lage noch erheblich
verschlechtern!
(*Quelle:
Schreiben des Landkreis MOL –Untere Bauaufsichtsbehörde- Bauordnungsamt,
Fachbereich III, Herr Trabs an das Landesumweltamt BRB, Regionalabt.Ost vom
03.06.2005)
6. Obwohl unsere Region eine enorm hohe Luft- und Umweltbelastung
aufweist, ist die nächste unabhängige Messstation des Landesumweltamtes erst in
Hasenholz (unmittelbare Nähe zum Luftkurort Buckow) stationiert.
Wir empfinden diese Tatsache als eine glatte Farce, denn das Zementwerk steht
hier in Hennickendorf!
7. Die verschiedenen Ortsteile von Rüdersdorf sind
durch die umliegenden Industriebetriebe verkehrstechnisch stark belastet.
Dennoch sieht die Landesregierung bisher keine Priorität für die Errichtung von
Ortsumgehungen für Tasdorf und Herzfelde. (Obwohl keine derartige LKW-Belastung
vorliegt, waren die Ortsumgehungen für Müncheberg und Seelow wichtiger.)
8. Die Feinstaubbelastung im weiten Umfeld der B1
durch die bereits existenten Emissionsquellen wie Verkehr, Zementwerk,
Kalkwerk, Graf-Recycling u.s.w. ist bereits extrem! Der Bau einer weiteren
Müllverbrennungsanlage würde diese Belastungswerte noch entschieden steigern!
9. Die Schornsteinhöhe der geplanten
Müllverbrennungsanlage ist nach verschiedenen Expertenmeinungen definitiv nicht
ausreichend! Außerdem ist das im Projekt vorgesehene Einzugsgebiet für die
Umweltverträglichkeitsprüfung entschieden zu klein gewählt!
10. Da der Bau der geplanten Müllverbrennungsanlage
unbedingt raumbedeutsam ist, müsste es für die Genehmigung ein
Raumordnungsverfahren geben! Wir sind noch immer empört darüber, dass der
Scopingtermin zu Beginn des Jahres, bei dem diese uns bedrückenden Festlegungen
getroffen wurden, unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne Einbeziehung von
Gemeindevertretern durchgeführt wurde. Der rbb berichtete darüber in einem
Fernsehbeitrag.
11. Die von Vattenfall vorgeschlagene und geplante
Projektvariante entspricht keineswegs dem neuesten Stand der „bestmöglichen
Technik“! Zahlreiche Belege dafür liegen uns vor. Aufgrund der bisherigen
„Befunde“, d.h. vor allem der unbezweifelbaren toxikologisch relevanten
Vorbelastung der gesamten Region verbietet sich jegliches Experiment in Sachen
Emission/Immission! Hier darf nur noch mit der „besten verfügbaren Technik“
gearbeitet werden!
12. Eine Gruppe von Ärzten der Region hat ein
vorläufiges epidemiologisches Gutachten zu „Aktuellen Häufigkeiten chronisch
verlaufender Bronchialerkrankungen (Morbidität) im Raum Rüdersdorf und deren
Umgebung“ zusammengestellt. Dieses wird innerhalb der nächsten 14 Tage an die Staatsanwaltschaft
Frankfurt/Oder zur bestehenden Strafanzeige (AZ 234 AR 283/06)nachgereicht. Die
Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft wurden bereits eingeleitet. Auszug: „
Die erschütternden Ergebnisse weisen aus, dass in einem Umkreis von 3-4km nördlich
und südlich der B1/B5 eine Schadstoffbelastung existiert, die in diesem
Untersuchungsraum zu einer 5fach höheren Bronchialerkrankungsrate geführt hat,
berechnet gegenüber den Gemeinden Fredersdorf (6 km Entfernung) bzw. Strausberg
(12 km Entfernung).“*
Eine diesbezügliche
Kurzmitteilung an die gewählten Vertreter der Gemeinde Rüdersdorf und deren
Ortsteile zu ihrer letzten Sitzung endet mit dem folgenden Appell:
„Auch Ihre Gesundheit sowie die Ihrer Kinder und
Enkel ist durch den dargelegten Sachverhalt permanent gefährdet! Werden Sie
Ihrer Verantwortung gerecht und lassen Sie bis zur Klärung und Beseitigung
dieser bereits bestehenden überhöhten Schadstoffbelastung keine weitere
Schadstoffemission zu!“*
(*Quelle: Kurzmitteilung an die gewählten Vertreter
der Gemeinde Rüdersdorf und deren Ortsteile zu ihrer Sitzung vom
27.04.2206)
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